„Once upon a time in the wet“
... oder „Rockpommels land liegt in Hagen!“
Nun sind sie doch vorbei, die tollen Tage in Hagen! Mit anfänglich gebremsten Erwartungen zur Premiere das erste Mal hingefahren und vier Mal überaus reich beschenkt und überglücklich, dabei gewesen zu sein, fuhr ich heute ein drittes Mal nach langen Nächten wieder die „schöne“ Sauerlandlinie nach Hause!
Aber beginnen wir am Anfang dieser Konzertreisen, die mich am 3. Juni gemeinsam mit meinem lieben Schatz durch ein nicht enden wollendes Unwetter nach Hagen führte. Aus diesem Grund auch das kleine Wortspiel zur Einleitung, denn nass war es ständig in Hagen, wenn man von kurzen Regenpausen und dem letzten, weitgehend trockenen Besuch in dieser Stadt mal absieht. Aber auch das Regenwetter konnte die Vorfreude nicht trüben und schließlich landeten wir nach den üblichen Vorglühzeremonien etwas durchweicht im Foyer des Theaters, wo auch die „Neulinge mit Grobschnitt-Erstkontakt“ eine gewisse Anspannung nicht völlig verbergen konnten.
Bevor ich auf die musikalische Reise eingehe, die wir nun bald erleben sollten, möchte ich jedoch auch mal allgemein die Menschen hervorheben, die nicht direkt mit der Show zu tun hatten, aber alles taten, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Da waren z. B. die freundlichen Platzanweiserinnen im Theater, die geduldig jede Frage beantworteten, die Menschen, die uns bis früh um 3 Uhr (und es ist auch hier mal wieder etwas später geworden!) mit Getränken, Snacks und auch Musik zum Feiern versorgten. Und dem Menschen, der uns die besonders rückenfreundlichen Stühle in den Orchestergraben gestellt hat, bin ich auch sehr zu Dank verpflichtet! Ein Lob also für die Helferlein vor Ort, von denen sich manche Gastronomie eine dicke Scheibe abschneiden kann!
Aber nun komme ich endgültig zur musikalischen Reise, die uns alle doch auf eine besonders eindrucksvolle Weise bewegt hat, wie ich es bisher noch nie erlebt habe. Und das soll bei dieser Band wirklich etwas heißen, denn schließlich nimmt sie mit meinen persönlichen bisherigen Top 3-Konzerten (1978, Hohenlimburg, Hückeswagen 1) alle Spitzenplätze ein, die ich da zu vergeben habe. Dabei sollte ich erwähnen, dass ich in meinem Leben Konzerte von Pink Floyd, Genesis, Peter Gabriel, Bruce Springsteen, Queen und einige andere erleben durfte, die ja auch einen gewissen Ruf haben. Hier einen echten Vergleich zu versuchen ist aber eigentlich unredlich, zu verschieden sind hier doch die emotionalen Ansätze, zu intensiv ist bei Grobschnitt die „Beziehung“ zwischen Musikern und Publikum, welche zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten besteht.
Begonnen wurde jedes Konzert mit einer reinen Orchesterdarbietung der „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauß, die uns ja schon so oft im Vorprogramm auf das bevorstehende Konzertereignis einstimmte. Live und mit der gesamten Orchesterpalette war diese Eröffnung aber besonders eindrucksvoll! Schade nur, dass sich bei ihrer Rezension manche Journalisten nicht die Frage verkneifen konnten, warum denn ausgerechnet so ein Stück gespielt wurde. Das zeugt von kultureller Verkrampfung und zeigt, dass manche Kritiker die „Message“ nicht wirklich verstanden haben. Aber ich will nicht zu ungerecht sein, denn das Medienfazit war im Gegensatz zu manchen früheren Kommentaren, z. B. in den 80ern durchweg positiv.
Aber dann sollte es richtig reinhauen und ich kann nicht intensiv genug meinen emotionalen Überschwang nach der ersten Show beschreiben, der mich bereits nach den ersten Tönen der „Sinfonie“ ergriff. „Drummer's dream“ und „Traum und Wirklichkeit“ standen schon immer auf meiner Wunschliste ganz oben und so war es schon nach dem ersten Teil völlig um mich geschehen. Bereits in 2008 hatte ich diese Lieder zum meinen persönlichen Favoriten für ein Wunschkonzert gewählt (s. Thread „Traum und Wirklichkeit“), aber es nie für möglich gehalten, diese jemals live erleben zu dürfen! Besonders gut gefallen mir dabei die mehrstimmigen Gesangspassagen, denn gemeinsam zeigt die Band dabei eine besondere Stärke. Ich möchte ausnahmsweise hier aber besonders Toni erwähnen, der mit seinen wunderbaren Harmonyvocals einen ganz großen Anteil an dieser Leistung hat.
Bereits in der ersten Stunde der Show wurde aber deutlich, worin ein Schwerpunkt der besonderen Magie dieser Konzerte liegen sollte und das waren die umwerfenden Arrangements von Andres Reukauf, welche die „kleine“ und „große“ Band miteinander zu einem Klangteppich verwoben, aber auch die Stärken der jeweiligen Besetzung punktgenau zur Geltung brachten. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn bei einer solch riesigen Besetzung der Sound entsprechend gemischt wird und so haben auch die Kreativköpfe hinter den Kulissen, die ich hier nicht alle aufzählen kann, ihren großen Anteil am Erfolg! Sound, Licht sowie Theater- und Tanzelemente verursachen eine Gänsehaut nach der anderen, ohne dass die Show überfrachtet wirkt. Alles hat seinen Platz am richtigen Fleck und ich wüsste wahrlich nicht, was man daran verbessern könnte. Selbst nur der kurze Auftritt der Kinder, denen die Seele gestohlen wurde, hinterließ bei mir einen Schauder, der bis heute nachwirkt. Den vollständigen Verlust meiner Selbstkontrolle verursachte jedoch der erste Auftritt von Robert Schartel als „Mr. Glee“, der in absolut professioneller Manier das Publikum bezauberte und der Geschichte „Leben“ einhauchte.
Seine Höhepunkte hatte das Orchester vor allem in der Darbietung von „Silent movie“, die bewies, welche Kraft in dieser Melodie steckt. Auch hier ist das Arrangement definitiv die Basis für den Erfolg und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass eine Orchesterneueinspielung dieses Stückes bei „Klassikradio“ ein großer Erfolg wäre.
Einer der schönsten Momente im Konzert ist für mich die neue Ouvertüre zu „Rockpommel's land“ und ich frage mich nur, wie man es ein Jahr ohne diese wunderbaren Klänge aushalten soll. Aber das ist auch gleichzeitig das Positive an dieser Geschichte und ich freue mich unendlich, dass wir uns nächstes Jahr wieder in Hagen treffen können, um Ernie auf seiner Reise begleiten zu dürfen!
Aber ich nehme ja schon den Schluss vorweg, denn wenn man vom „Schluss“ spricht, darf man das Finale nicht vergessen und das darf man keinesfalls, denn das ist DER Moment im Konzert, auf den jeder wartet und der einen völlig vom Sitz reißt, wenn er dann ertönt. Dieses Erlebnis ist durch nichts zu ersetzen und ich ertappe mich dabei, hier wieder jeden Musiker einzeln würdigen zu wollen, weil man bei jedem Konzert neue Elemente und Höchstleistungen entdeckt und immer wieder staunt wie ein kleines Kind vor dem Christbaum!
Gefeiert haben wir gestern zum Abschluss wie die „Bekloppten“

und ich habe jede Minute genossen. Kopf und Glieder mussten heute morgen zwar erst mal wieder neu zusammen geschraubt werden, aber DAS war mal wieder fällig! Schön, dass man auch „in unserem Alter“ noch so richtig abfeiern kann und mit Euch allen ist das am schönsten!
Willi's emotionale Worte heute morgen sprechen für sich und wir spüren als Fans, dass ihr uns spürt und das macht es wohl einfach aus. Danke dafür und glücklich ist der, der daran Teil hat!
Bis zum nächsten Mal!
Euer Intruder
"Wenn ich den Augenblick verpasse, verpasse ich das ganze Leben!" (Roger Willemsen)