Das Besondere einer Reise ist die stille Freude am Unterwegssein und die Gewissheit, nicht wissen zu können, wie sie ausgeht.
In diesem Spannungsfeld bewegten sich meine Gedanken auf dem Weg vom Bodensee nach Paderborn, das ich am Vorabend des Paderborner Rockfestivals erreichte.
Im Brauhaus stärkte ich mich zunächst mit einer Paderborner Kartoffelsuppe und einem mir zu neuem Glauben verhelfenden Pilger vom Fass.
Vorfreude, geh noch nicht! Und sie blieb.
Am nächsten Morgen wanderte ich zum Nixdorf Museum. Es ist dieses Darauf zulaufen, das den Unterschied macht. Vorbei an der Zukunftsmeile 2, an welcher sich das Fraunhofer Institut befindet, und im Anschluss daran das Nixdorf Museum.
Was folgte war eine Zeitreise durch die Geschichte der Informationsverarbeitung, eine Gänsehaut nach der anderen hervorrufend. Hier drohte ich mich zu verlieren.
Schließlich Rückkehr ins Zentrum zum Café Heinrichs am Dom, danach nochmal eine Kartoffelsuppe im Brauhaus, wo ich auf bekannte Gesichter traf.
Plötzlich ging wie immer in solchen Situationen alles sehr schnell. Ich fand mich kurz vor Fünf am Eingang der beeindruckenden PaderHalle wieder und stand plötzlich vor der imposanten Bühne vorne halb rechts.
Erst jetzt wurde mir klar, wie riesig die Dimensionen in diesem Raum waren.
Als der Frontmann der Prorock e.V. Kreis Paderborn, Hans-Werner Schubert, die Bühne betrat und zelebrierend den weiteren Verlauf des Abends verkündete, brandete großer Beifall auf.
Herzlichen Dank an Prorock e.V. Kreis Paderborn und Hans-Werner Schubert für die Planung und Umsetzung dieser spektakulären Veranstaltung !!!
Von Rosalie Cunningham hatte ich bis dato noch nie gehört, aber das sollte sich rasch ändern. Eine junge Frau zauberte mit ihrer Magie und ihrer Band eine Stimmung auf die Bühne, die mich völlig unerwartet traf. Der Auftritt blies mich förmlich weg!
In mir tanzten die Siebziger Jahre und alles, was mich in jener Zeit musikalisch berührt hatte, wie in einem Zeitraffer auf und ab. Keines der Lieder kannte ich, und dennoch war mir, als stünden Uriah Heep und Ufo abwechselnd oder miteinander auf der Bühne, nur in modernerem, frischerem und rockigerem Gewand. Es war vor allem ihre Leichtigkeit und die der Bassistin und Flötistin Claudia Gonzalez Diaz, die mich in den Bann zog, während Bo Walsh am Schlagzeug Soundgewand und Tempo nuanciert ausbalancierte, und der Keyboarder Aaron Boll Thompson die Hammond Orgel wie einen Klangteppich darüberlegte. Rosco Wilson an der Leadgitarre prägte immer wieder den Sound der Band. Er hätte genauso gut bei Lynyrd Skynyrd mitspielen können und überzeugte mit seiner Persönlichkeit, dass Lächeln oder gar ein Lachen nicht zu der Ernsthaftigkeit passen, mit welcher er auf der Bühne steht.
Als die Hamburger Blues Band diese betrat, war vom ersten Akkord her klar, was mich erwarten würde. „Dreckiger“, teilweise harter Blues und Blues Rock vom Allerfeinsten! Gert Lange führte souverän durch das Programm, und seine Ausstrahlung und Leidenschaft konnte nur noch durch seine Stimme übertroffen werden. Ich kannte diese „Band“ zuvor nur vom Hörensagen, aber es war mir vom ersten Moment an klar, dass hier absolute Spitzenmusiker am Werk waren. Ich war überwältigt! Das hatte ich in dieser Form nicht erwartet. Woodstock Feeling kam in mir hoch, und es gab Momente, in denen ich mir die Augen rieb, um festzustellen, dass nicht Alvin Lee vor mir auf der Bühne stand, sondern Krissy Matthews. Unglaublich, was er mit seiner Gitarre anstellt…
Frank Tischer am Keyboard ließ mich mundoffen zurück. Was waren das für Solis! WOW!!! Ein Tastenheld! Da war es wieder, dieses Woodstock Feeling! Ich bin so dankbar für diese Augenblicke!
Und dann kam der Moment, als Inga Rumpf die Bühne betreten hatte…
Es ging gar nicht anders, die Bühne musste sich neu ordnen, und der Musikstil änderte sich zunächst. Stand zuvor der Bluesrock im Vordergrund, so war es nun der Blues. Eine Legende stand plötzlich vor mir, und ergriff mein Herz durch all meine vergangene Zeit hindurch. Es war wie eine sanfte Berührung, ein Hauch nur, und dann wieder ertönte ihre Stimme gleich einer Brandung aus einer wie unendlich weit entfernten Küste in meinen Ohren. Sie nahm mich mit auf ihrer klanglichen Reise durch die Äonen, zurück in jene Zeit, in welcher diese Musik einst gespielt hatte (Inga Rumpf & Friends - How The Gipsy Was Born,
https://www.youtube.com/watch?v=QeWJIqFNBzQ). Danke-Danke-Danke für diesen bewegenden Auftritt in der PagerHalle!
Mein Gott, was für ein Abend! Was für ein Konzert! Aber noch war er ja nicht vorbei. Auch wenn die Sonne draußen längst untergegangen war, so schien diese im Innern der PaderHalle einfach weiter, als Rockpommels Band die Bühne betrat.
Als Milla seinen Bass anspielte, da war er wieder, dieser WUMMS! Und der war es auch, welcher den weiteren Verlauf des späten Abends prägte, während die Sonne in der PaderHalle weiter ihre Kreise zog. Und plötzlich hatte ich den Gedanken:
ROCKPOMMELS BAND MEETS WOODSTOCK. Und dieser Gedanke ließ mich all die kommende Zeit auch nicht wieder los. Ein grandioses Gefühl mit einer extra Portion Gänsehaut bemächtigte sich meines Herzens, und mit dem Wissen darum, welche Band gerade vor mir auf der Bühne stand, flossen bei Anywhere die ersten Tränen. Die anfänglichen Sound Probleme waren längst Geschichte und die Sonne längst im Zenit, als die ersten Töne von Solar Music erklangen. Es war als ob ein Ruck durch die Band ging. Alles wirkte nun noch leichter, ja beinahe schwebend, und ich spürte, das ist vielleicht der Moment, in welchem für sie ALLES möglich erschien. Diese Freiräume wurden genutzt, und SOLAR MUSIC ließ die PaderHalle erbeben. Die Strahlkraft dieses Stücks, jenes Kronjuwels der deutschen Musikgeschichte, leuchtet bei jedem ihrer Auftritte in einem anderen Licht, und die Improvisationen jagen Schauer über Schauer über meinen Rücken, so dass ich schließlich emotional überwältigt dastehe und mich am Absperrgitter festhalten muss.
Als Rockpommels Band die Bühne verließ, war die Sonne untergegangen, und mir war, als ginge damit auch ein Teil von mir. Und ich dachte was ich so oft denke: Danke, dass es euch gibt! Danke, dass ihr das genau so macht! Danke für eure Leidenschaft und für eure Hingabe! Ihr seid ein Geschenk, und ihr seid aus meinem Herzen nie wieder wegzudenken. Und bitte: Bleibt gesund.
Maraboo